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  • Dr. Wolfgang Schmid

Was ist Enterprise Collaboration 4.0



Wovon man nicht sprechen kanndarüber muss man schweigen! Tractatus logicus


Zusammenfassung: In diesem Artikel (aktualisierte Version zu einem Beitrag in LinkedIn vom 3.5.2017) wird versucht – über die Entwicklung typischer IT-Architekturen – Begrifflichkeiten wie Enterprise 2.0 (E2.0) oder Enterprise Social Networks (ESN) zu erläutern. Dabei soll aufgezeigt werden, wie sich erst durch aktuelle Enterprise Collaboration 4.0 (EC4.0)-Lösungen das volle Potenzial der vernetzten Zusammenarbeit entfalten kann. Dieser erste von drei Teilen zum Thema Enterprise Collaboration 4.0 erklärt „WAS ist Enterprise Collaboration 4.0?“. Der zweite Teil beschäftigt sich mit "WARUM Enterprise Collaboration 4.0?“, bevor der Artikel „WIE führt man gewinnbringend Enterprise Collaboration 4.0 ein?“ das Thema abrundet.

Was hat das Ganze mit dem zu Anfang gestellten Zitat zu tun? Wir denken, wichtige Begriffe in der Geschäftswelt sollten sauber definiert und so beschrieben sein, dass ein gemeinsames Verständnis – auch von Anwendern und Anbietern - erreicht wird. Vertretern der Anbieter sind die Begriffe um Enterprise 2.0 geläufig, vielen Anwendern nicht. Nur durch die Begriffsklärung ist dann eine konstruktive Diskussion darüber möglich und sinnvoll. Die Begriffserklärung geschieht im folgenden über die Darstellung der historischen Entwicklung typischer informationstechnologischer Anwendungssysteme.


In den 90ern bestimmten Office-Produkte sowie ERPs die „elektronische Unterstützung“ von Geschäftsprozessen. Und das tun sie auch heute noch! Genauso wie auch „Spezial-Software“ (z.B. CAD u.ä.) und selbst-gestrickte Lösungen, die ihre Berechtigung in – zumindest vermuteten – speziellen Anforderungen hatten. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts machten Social Media- und Messaging-Lösungen (Web 2.0) Furore. Die Logos in den Abbildungen stellen jeweils immer nur einen typischen Vertreter dar, es gab und gibt natürlich jeweils viele Alternativen.


Die breite Nutzung von Social Media für Marketing und Kundenkontakt ist heute nicht mehr wegzudenken.


Zusammen mit ausgefeilten E-Commerce Lösungen haben sie den (Online-)Vertrieb in den letzten Jahren revolutioniert.


Die Lücke zwischen ERP, e-Commerce und Social Media schlossen dann cloud-basierte Anbieter wie Salesforce. Ressourcen planende, also wiederholbare Prozesse konnten damit sekundengenau über ERPs und logistische Systeme gesteuert werden, um die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen.


Es sei unterstellt, dass dieses IT-Szenario, so allgemein es auch beschrieben ist, immer noch für die Masse der Unternehmen den Standard darstellt, solange sie nicht allein mit E-Mails, Excel und viel Papier ihr Unternehmen steuern – und selbst davon gibt es noch unendlich viele.


Schon vor dem Web 2.0 (2003) wurden viele weiterführende Systeme entwickelt (s. Lotus Notes, ab 1984!). Eine neue Generation von Geschäftslösungen wurde aber erst mit den Enterprise 2.0 Lösungen wie Yammer (2008), Slack (2009) oder IBM Connections (2007 angekündigt) vielen bekannt.



Enterprise 2.0 oder, wie sie heute genannt werden, Enterprise Social Network Lösungen (ESN) unterstützen die Innen- und Außenkommunikation.


Dabei gilt das Zitat von „Richter und Koch, 2007“: „Enterprise 2.0 bedeutet…, die Konzepte des Web 2.0 und von Social Software nachzuvollziehen und zu versuchen, diese auf die Zusammenarbeit in den Unternehmen zu übertragen.“


Unterschiedliche Funktionen wie Wikis, Blogs, und Communities, die meist thematisch organisiert sind, unterstützen Projektarbeit, Wissensarbeit sowie die Kommunikation rund um die unterschiedlichsten Themen. Facebook-anmutende Kommunikationsströme ergießen sich seitdem über die Belegschaften und in einigen Fällen auch über externe Geschäftspartner und Kunden.


Die Vorbehalte vieler Unternehmen, vor allem in KMU und Mittelstand, sind dabei durchaus nachvollziehbar. Steckt in dem Wort „Social“ doch bereits eine Assoziation, die erstmal wenig Kontext zur Arbeit verspricht. So werden die Kommunikationsströme oft als Ausdruck verschwendeter Zeit gesehen.

Viele dieser Vorbehalte gegenüber ESN Lösungen sind allerdings nicht gerechtfertigt, denn die Erfahrung zeigt, dass der Einsatz von diesen Lösungen im geschäftlichen Kontext anderen Regeln folgt als im privaten Umfeld. Während im Privaten das Engagement auf Plattformen wie Facebook und Co. häufig der Selbstdarstellung des Einzelnen dient und der Informationsaustausch der eigentliche Zweck ist, gibt es im geschäftlichen Umfeld immer eine übergeordnete, meist personenunabhängige Zielsetzung. So liefern ESN Lösungen einen großen Beitrag zum zeit- und ortsunabhängigen Arbeiten. Vorbehalte wie „da wird nur gequatscht“ sind hier völlig fehl am Platze. Studien zeigen, dass Mitarbeiter abteilungsübergreifend wertvolle Beiträge für Innovationen und Kundenlösungen liefern und umfangreiche Projekte einfacher abgewickelt werden können. Allerdings, und das ist elementar wichtig: der Mehrwert von ESN Lösungen für das Geschäft hängt unmittelbar davon ab, WIE (konsequent) man diese Systeme einführt und nutzt.

Den Nutzen von ESN Lösungen perfekt erklärt finden Sie bei Harald Schirmer, Continental AG (http://youtu.be/g0C2lAVbYto).


Rüdiger Schönbohm initiierte bereits 2010 mit ersten Piloten die interne Vernetzung der Bosch-Gruppe und war später verantwortlich für die weltweite Einführung von IBM Connections im Konzern. Dabei zeigte sich sehr deutlich, dass die konsequente Überführung klassischer Arbeitsprozesse in ESN-geführte Kommunikationsprozesse das mit Abstand größte Potenzial für das Unternehmen birgt. Dr. Wolfgang Schmid war jahrelang verantwortlich für die Einführung von SAP-Projekten und durchkämmt mit seinen Kollegen von addWings Services seit Jahren den Markt der „kollaborativen Lösungen“. Dabei stellte sich die Erkenntnis ein, dass eine intensive, effektive, effiziente und vor allem nachhaltige Zusammenarbeit Lösungen erfordert, die über ERP, Office und ESN Lösungen hinausgehen.


Es geht darum, die Lücke zwischen den drei großen Säulen der Geschäftsanwendungen ERP – Office – Social Media zu schließen. Denn das schafft echte Zusammenarbeit! Und Zusammenarbeit ist Sinn und Zweck eines jeden Unternehmens!


Was für Lücken tun sich in und um die drei Geschäftsanwendungen ERP, Office und Social Media auf? Ein Sammelsurium an kritischen Phänomenen: ERPs haben ihre Stärke im Accounting und in der Logistik, in anderen Bereichen - Personal, Projektarbeit - sind diese Lösungen zumindest oft teuer und recht behäbig. Überall, wo Wissensarbeit im Vordergrund steht, versagen ERPs mehr oder weniger. Dann greift man zu Office-Anwendungen, mailt Excel- und PDF-Dateien und im besten Fall nutzt man Microsoft Teams, das aber auch nur eine Gruppenchat-Lösung darstellt. Facebook bietet mit Workplace eine Unternehmenslösung an, aber wer will schon ein Facebook-Produkt im Unternehmen einsetzen. Die Lücke ist also groß, auch wenn man alle drei Produkte zusammen betrachtet.


Die Lösung ist - theoretisch und praktisch gesehen – recht einfach: Es wird eine Plattform benötigt, die alle drei „Monolithen“ geeignet integriert und verbindet - da alle drei Lösungen berechtigt zum Einsatz kommen - und die Information und Kommunikation, Daten und Dokumente sowie Prozesse und Workflows unterstützt.


Diese 6 Faktoren "in Summe, integriert" werden bei näherem Betrachten nicht durch ERP, Office und Social Media unterstützt. ERP ist schwach in der Kommunikation, Office in der Prozessunterstützung sowie im Datenmanagement und Social Media „kann eh nur“ Kommunikation. ESN-Lösungen haben mit ihren Fähigkeiten Information, Dokumente und Kommunikation themenspezifisch zu verwalten einen enormen Nutzen gebracht, allein Prozesse und Workflows werden nicht unterstützt. Ergänzt man ESN-Lösungen um die Fähigkeit Prozessabwicklung zu unterstützen, hat man eine Enterprise Collaboration Lösung, ergänzt man zusätzlich mit den Fähigkeiten Prozesse zu automatisieren (Workflows), hat man eine Enterprise Collaboration 4.0 Lösung (das 4.0 ist kein Marketing Appendix, sondern steht für digital automatisiert, vernetzt und flexibel).


Das „Social“ in ESN unterstützt die Kommunikation im Sinne von (mit)teilen, das „Collaboration“ in EC4.0 (Enterprise Collaboration 4.0 Lösung) unterstützt die Zusammenarbeit. Das bedeutet, dass in EC4.0 neben der Kommunikation auch Prozesse „abgearbeitet“ werden können. Das ist ein eminenter Unterschied! EC4.0 unterstützt – genauso wie ESN – die Kommunikation, aber besser organisiert. Wie? Bei EC4.0 findet die Kommunikation vorwiegend dort statt, wo gearbeitet wird: an den Prozessen und an den Datenobjekten.


ESN Lösungen bilden keine Prozesse und Daten ab! EC4.0 hingegen schon!

EC4.0 sind also Lösungen, die den Gedanken einer Kollaborativen Plattform 4.0 (s. #Felser LinkedIn, 5.1.2016) unterstützen. Und diese sind komplexitätsfähig, geeignet für die vielfach zitierte VUCA-Welt (volatility, uncertainty, complexity, ambiguity) und geeignet für die Einzelfertigung = Befriedigung individueller Kundenwünsche, wie wir sie heute erleben.



Wenn also EC4.0 Lösungen komplexitätsfähig sein sollen, Einzelfertigung und moderne Industrie 4.0-Lösungen unterstützen können sollen, dann müssen sie natürlich auch Schnittstellen zur IoT-Welt (Internet of Things) bieten. Denn Daten müssen aus Maschinen ausgelesen, verarbeitet und genutzt werden können. Man muss mit diesen Daten arbeiten und sie zur Optimierung von Abläufen nutzen können, d.h. Prozesse müssen auf Basis dieser Daten gestaltbar sein, und strukturierte Kommunikation diese Prozesse optimieren. Vereinfacht ausgedrückt, EC4.0 Lösungen brauchen Schnittstellen zum Internet of Things, damit Daten in Prozessen verarbeitet werden können.


EC4.0 Lösungen werden somit zu web-, service- und prozessorientierten Integrationsplattformen.


Man könnte das ungefähr so zusammenfassen:

Die Dynamik heutiger Märkte drückt sich aus in den individuellen, immer weniger vorhersagbaren und damit planbaren Kundenbedürfnissen bei gleichzeitig stetig wachsendem Innovationstempo und globalem Wettbewerb (VUCA). Solch ein Umfeld fordert von den Unternehmen eine hohe Dynamik, Kreativität und Umsetzungs­geschwindigkeit (Agilität). Gefördert wird diese Agilität u.a. durch eine durchgängige Vernetzung der Organisation (siehe auch McKinsey 2015): nach innen über kollaborative Plattformen (Enterprise Collaboration 4.0), nach außen über Social Media + E-Commerce/E-Business.


Enterprise Collaboration 4.0 Lösungen müssen also als Plattform

die Integration mit Social Media, ERPs und Office gewährleisten, Kommunikations-Funktionen wie ESN Lösungen abbilden, Prozesse und Daten „managen“ können und maschinengenerierte Daten (IoT) durch Anbindung verarbeiten können.


Enterprise Collaboration 4.0 Lösungen müssen darüber hinaus dynamisch skalierbar und flexibel anpassbar sein, da sich die Umweltbedingungen heutzutage schnell ändern.


Die einfachste Beschreibung von Enterprise Collaboration 4.0 Lösungen ist:


EC4.0 Lösungen digitalisieren Prozesse, die bislang mit E-Mail, Excel, Pdf und Papier abgewickelt werden.


Die bislang beste EC4.0-Plattform aus unserer Sicht ist:



In Teil 2 werden wir versuchen zu klären „WARUM Enterprise Collaboration 4.0®?“

In Teil 3 folgt ein Beitrag „WIE führt man gewinnbringend Enterprise Collaboration 4.0® ein?“


*PS: Erfahrungen im Kundenkontakt!


Telefonat mit dem CIO eines Fertigungsunternehmen (>5000 Mitarbeiter), Zitat:

"Wir haben Yammer online geschaltet, aber keiner nutzt es. Ein Disaster!"


Gespräch mit Personalleiterin eines Bauplanungsunternehmens (ca. 1500 Mitarbeiter), Zitat:

"Social Media ist in unserem Hause verpönt, aber wir haben große Schwierigkeiten qualifizierte junge Mitarbeiter zu gewinnen. Ich sehe das darin, daß wir kaum Wert auf Employee Branding setzen."


Produktmanager eines Chemiekonzernes (>15000 Mitarbeiter), Zitat:

"Natürlich nutzen wir im Produktmanagement auch SAP, aber eigentlich tragen wir den ganzen Tag Informationen über E-Mail und Excel zusammen".


Geschäftsführer eines Industriedienstleisters (ca. 1000 Mitarbeiter), Zitat:

"Mit meinen Führungskräften tausche ich mich sehr oft per Whatsapp aus, kurze Anfragen, schnelle Antworten. Da muss es doch etwas geben, damit sich alle im Unternehmen effizient austauschen können."


Gespräch mit Controller einer Versicherung, Risikomanagement-Beratung (ca. 1500 Mitarbeiter), Zitat:

"Wir suchen die "Eierlegende-Wollmichsau", eine digitale Platform, auf der wir Aufgabenmanagement, Projektmanagement, Kommunikation, CRM und Kommunikation integrieren können."

Zu den Autoren Dr. Wolfgang Schmid und Rüdiger Schönbohm sowie deren Unternehmen:

addWings Services ist ein junges Unternehmen aus München, das sich als Lösungspartner für mobiles, agiles und digitales Arbeiten versteht. Die technische Ausgestaltung von Arbeitsplattformen wird begleitet durch Unternehmens- und Prozessberatung. addWings arbeitet weltweit und mit Standorten in München, Hamburg und Dubai.


TYSCON berät Unternehmen in der ganzheitlichen Ausgestaltung der Digitalen Transformation mit Schwerpunkt auf der Schaffung der Voraussetzungen und Fähigkeiten zum vernetzten und agilen Arbeiten.

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